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13. Bericht aus Rumbek, 22. März 2008

Heute ist Gründonnerstag, es war ein guter Tag! Der Jahreszeit entsprechend wird es im Tagesverlauf drückend heiß. Mit der aufgehenden Sonne kommt meistens auch schon Wind auf, ein unruhiger böiger Wind, der die Palmen durchschüttelt, womit es mit morgendlicher Stille vorbei ist. Heute dagegen blieb es schön ruhig, nur eine leichte, angenehm kühle Brise ging. Die Stimmung ließ mich an die Sommerurlaube mit der Familie in Italien denken, wenn man morgens, im noch langen Schatten der Häuser, zum Bäcker ging, um „panini“ und „prosciutto cotto“ einzukaufen, in Vorfreude auf den kommenden Tag am Strand. In die Erinnerung mischte sich sogar der Duft von Kokossonnenmilch und Meer. Ja, die Erinnerung ist ein Paradies (siehe Startseite).  Es ist jedoch ratsam, sich solchen Erinnerungen nicht allzu lange hinzugeben, denn leider folgt manchmal doch die Ernüchterung. Die alltägliche Realität Rumbeks ist von Kochschinken so weit entfernt, wie vom nächsten Badestrand! Trotzdem habe ich den Morgen genossen und mich auch auf den Tag freuen können, denn gestern habe ich endlich die Haustür meines kleinen Hauses fertig gestellt, womit ich also nach fast fünf Monaten endlich vom Zelt  in meine eigenen vier Wände umziehen kann!

Es hätte früher soweit sein können, aber seit Januar habe ich der Arbeit an den beiden Schulen hier in Rumbek Vorrang gegeben. In der Panda Schule sind ein zweites Doppelklassenzimmer fertig zu stellen und eine Toilettenanlage zu bauen, während für die Schule in Mabor Ngap auf ausdrücklichen Wunsch der Lehrer und in Abstimmung mit dem Schuldezernat ein Lehrerbüro gebaut werden soll. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der Anlieferung von Flusssand ging es dann gut los mit der Anfertigung von großformatigen Zementblöcken, für die ich die Pressen in Nairobi gekauft hatte. Seitdem geht es an den Klassenzimmern planmäßig weiter, so dass der Fertigstellung nichts im Wege zu stehen scheint. Sorgen bereitet leider wie schon im letzten Jahr der Aushub der Grube für die Toiletten, die 6 Meter tief werden sollte. Aufgrund der Erfahrungen vom vergangenen Jahr habe ich diesmal den Vertrag so ausgelegt, dass zu Beginn Lebensmittel ausgegeben wurden, der gesamte Geldbetrag aber erst nach Fertigstellung gezahlt wird. Sonst geben die Arbeiter auf halbem Weg auf, und die Teilzahlungen sind vergeudet, weil es sich nicht lohnt, die Toiletten für viel Geld auf einem zu kleinen Loch zu bauen. Die Lebensmittel, ein Zentner Linsen, ein Zentner Sorghum, ein Zentner Zucker, 20 Liter Öl und Salz waren nach fünf Tagen verbraucht, und man verlangte mehr. Das ging natürlich nicht, denn soviel Essen konnten sie nur in den Familien verteilt haben.  Dummerweise stießen sie bei 2,40m Tiefe auf eine Steinschicht, deren Dicke man ja nicht absehen kann. Seitdem  sind sie demotiviert und arbeiten nur sporadisch weiter. Ich habe den Vertrag mehrfach zu ihren Gunsten abgeändert, mehr Geld für weniger Tiefe, um sie zu motivieren, aber es hat zu keinem großen Ergebnis geführt. Jetzt am Samstag wird Schluss sein, denn sonst reicht die verbleibende Zeit nie und nimmer, um die Toiletten fertig zu stellen. Mit etwas Glück werden sie 4,00m Tiefe erreicht haben. Dann wird es wieder endlose Diskussionen geben, weil sie hartnäckig die volle Bezahlung verlangen werden!

An der Schule Mabor Ngap gab es Anfang März leider einen großen Rückschlag. Nach dem Graben der Fundamentgräben mussten wir den Diebstahl von 30 Sack Zement im Wert von 900,-$, feststellen! Das war eine riesige Enttäuschung für mich und natürlich auch ein großer Ärger! Schon im letzten Jahr waren aus dem Lager, für das nur der Lagerverwalter und der Schulleiter einen Schlüssel haben, 8 Sack Zement geklaut worden. Damals habe ich Anzeige erstattet, aber die Polizei war überfordert, und so wurde der Fall nie abgeschlossen. Nach meiner Rückkehr aus Deutschland habe ich das auf sich beruhen lassen. Nie hätte ich damit gerechnet, dass sich so etwas wiederholen würde! Ich habe sofort Baustopp verhängt und gesagt, dass ich nicht weiter baue, bevor nicht der Zement oder das Geld dafür erstattet werden. Jetzt erweist es sich als Vorteil, dass nicht ein Klassenraum sondern ein Büro für die Lehrer gebaut werden soll. Denn jetzt sind sie sehr engagiert, den Fall zu klären, um nicht wieder in der Regenzeit unter ’m Baum zu sitzen. Wie sich herausstellte, sind mehrere Lehrer neben dem Schulleiter in die Sache verwickelt. Der Schuldezernent sieht kein Problem, er werde den entsprechenden Lehrern einfach das Gehalt kürzen, damit ich weiter baue, und die Lehrer drängen mich dazu. Ich bleibe aber konsequent, erst dann grünes Licht zu geben, wenn alles erstattet ist. Das Problem ist nämlich, dass schon seit Januar keine Gehälter gezahlt worden sind, die man hätte kürzen können, auch das eine Ursache für den Diebstahl! Inzwischen sind drei Wochen vergangen, und mehr als Beteuerungen hat es nicht gegeben. Wie ärgerlich! Das ist wirklich ein GAU, ein „größter anzunehmender Unfall“ für meine Motivation! Wie immer findet sich die Rettung nur in der sachlichen Feststellung, dass nicht Alle schlecht sind, und man die Anständigen zu Unrecht mit bestraft, wenn man jetzt die Segel streicht und nicht weiter macht. So ist es! Es kostet mich aber, wenn ich ehrlich bin, Mühe, das so wegzustecken. Die drei Wochen bisher sind in jedem Fall verloren, die Lage spitzt sich zu. Es wird am Ende wieder insbesondere für mich schwierig!

Trotz all dem habe ich das nächste Projekt schon in ’s Visier genommen. Ich würde gerne der Gemeinde  eines Dorfs weit draußen auf dem Land bei dem Bau ihrer Schule helfen. Im Gegensatz zu den Gemeinden in der Stadt sind die vom Land noch sehr engagiert. Sie sind bereit, das zu leisten, wozu sie selbst in der Lage sind, und wünschen als Hilfe die Bereitstellung der Baumaterialien, die sie nicht bezahlen können. Die Gemeinde von Duony, einem Dorf im Nachbarbezirk Cueibet, etwa 50km von Rumbek scheint fest entschlossen und sehr arbeitswillig zu sein. In jedem Jahr seit 2005 sind jeweils 30.000 Ziegelsteine gebrannt worden, immer in der Hoffnung, dass eine Organisation ihren Projektantrag bewilligen und eine Schule bauen würde. Auch eine ausreichend große Fläche Land ist von Busch und Bäumen bereinigt worden, die Fundamente für ein Doppelklassenzimmer sind bereits abgesteckt. In Begleitung von Paul, einem jungen Mann aus dem Ort, der hier in Rumbek im Ministerium für technische Infrastruktur arbeitet, bin ich nach Duony gefahren, um das Dorf und die Chiefs kennen zu lernen. Schon auf dem Weg dorthin mit dem Motorrad durch meterhohes Gras, dorniges Gestrüpp und Wald begegneten wir einer großen Gruppe von Frauen, die, ebenfalls in Eigeninitiative, Kilometer weit Busch roden, um eine neue Straße von der Hauptstraße zum Dorf zu erschließen. Soweit macht alles einen viel versprechenden Eindruck. Mit Paul war ich so verblieben, dass er einige Behördengänge erledigt, um die erforderlichen Dokumente zu besorgen. Letzten Sonntag habe ich noch mit ihm gesprochen, seitdem ist er verschwunden! Das mobile Telefonnetz, das seit  einigen Monaten hier installiert ist, war genau seit Sonntag plötzlich drei Tage lang ausgefallen. Ich habe dann von einem seiner Arbeitskollegen erfahren, dass Paul für zwei Wochen zu einem Außendiensteinsatz abkommandiert worden ist. So ein Pech! Nicht nur, dass ich hier leider kein Bild einfügen kann, die Paul gemacht hatte, sondern es beginnt auch dieses Projekt gleich wieder mit einem Zeitverzug. Auch hier ist es wichtig, vor dem Beginn der Regenzeit  so viel zu bauen, dass ausreichend Flusssand gelagert werden kann, denn sonst ist nach meiner Rückkehr wieder nichts zu bestellen, solange die Flüsse Wasser führen. Wie einfach ist doch alles zuhause in Deutschland! Ein Anruf beim Baustoffhändler genügt, um Tage später tonnenweise Sand geliefert zu bekommen. Und mich würde es nicht wundern, wenn er sogar billiger wäre, als hier! Ich werde Schmatzi mal fragen, den Freund meines Bruders und Bauingenieur bei Oevermann!
 

Frohe Ostern und Herzliche Grüße aus Rumbek, Martin Grütters
 

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Spendenkonto:

Empf.: Jesuitenmission/ Kto.-Nr:  511 55 82/ BLZ: 750 903 00/ Ligabank/ Verwendungszweck: Grütters/Rumbek 3816

Das Konto ist inzwischen geschlossen! Ganz herzlichen Dank noch einmal an alle, die zu den Projekten der vergangenen Jahre ihren Beitrag geleistet haben!

 

 

Die folgenden Links führen zu den weiteren Berichten:

1. Bericht aus Rumbek, 15. Mai 2005 (Die ersten Eindrücke)

2. Bericht aus Rumbek, 18. Juni 2005 (Hilfsprojekt für IDPs)

3. Bericht aus Rumbek, 21. August 2005 (Erstaunliches aus der Dinka-Kultur)

4. Bericht aus Rumbek, 20. Oktober 2005 (Über das Leben der Menschen  in Rumbek)

5. Bericht aus Rumbek, 20. Dezember 2005 (Die Schule Mabor Ngap, Rumbek)

6. Bericht aus Rumbek, 05. März 2006 (Der Neubau der Schule Mabor Ngap, Rumbek)

7. Bericht aus Afrika, 28. April 2006 (Am Ende meines ersten Jahres)

8. Bericht aus Rumbek, 10. September 2006 (Nach dem Aufenthalt in Deutschland)

9. Bericht aus Rumbek, 01. November 2006 (Fortschritte bei der Projektarbeit)

10. Bericht aus Rumbek, 04.Februar 2007 (Langsamkeit als Therapie)

11. Bericht aus Rumbek, 31. Mai 2007 (Der Abschluss des zweiten Jahres)

12. Bericht aus Rumbek, 1. Dezember 2007 (Neuanfang als Selbständiger)

14. Bericht aus Rumbek, 26. April 2007 (Langsamkeit und Stagnation)

15. Bericht über die Arbeit in Rumbek (Am Ende des dritten Jahres)

16. Bericht aus Rumbek, 01. März 2009 (Wiedereinleben zuhause in Rumbek)

17. Bericht aus Rumbek, 04. April 2009  (Sand im Getriebe)

18. Bericht aus Rumbek, 25.Juni 2009  (noch mehr Sand im Getriebe)

19. Bericht aus Rumbek, 20. Dezember 2009 (Das Ende ist nah!)

20. Bericht aus Rumbek, 31. März 2010  (Start der letzten Runde)

21. Bericht aus Rumbek, 04. September 2010 (Auf zum letzten Gefecht)

22. Bericht aus Rumbek, 12. Dezember 2010 (Wirklich der letzte?)

Aktueller Bericht (Ende gut, alles gut!)